Unsere Pressemitteilung vom 20. August 2026, ungekürzt.
Ein Füssener Ingenieurbüro automatisiert Genehmigungsverfahren und bietet sie zum Festpreis an. Die gewonnene Zeit fließt in die Planung — dort, wo Erfahrung nicht ersetzbar ist.
Füssen. Eine Gewerbefläche in Wohnraum umwandeln, eine Ferienwohnung anmelden, einen Dachboden ausbauen: Vorhaben dieser Größe sind rechtlich anspruchsvoll und wirtschaftlich unattraktiv zugleich. Bauordnungsrecht, Bebauungsplan, Stellplatzsatzung, Brandschutz, Rettungswege — und in jedem Bundesland anders. Für ein Planungsbüro rechnet sich der Aufwand klassisch kalkuliert kaum. Für den Bauherrn wird es trotzdem teuer.
Die Bergwind Ingenieur- u. Kreativ GmbH aus Füssen geht das von der Prozessseite an. Das Büro hat die wiederkehrenden Schritte eines Genehmigungsverfahrens weitgehend automatisiert — von der Aufbereitung der Planungsgrundlagen über die Erstellung der Bauvorlagen bis zur Einreichung über die digitalen Bauantragsportale der Länder. Amtliche Geodatendienste werden direkt abgefragt statt über Anfragen bei der Behörde: Welcher Bebauungsplan für ein Grundstück gilt, welche Festsetzungen er enthält und ob Baulasten eingetragen sind, lässt sich so innerhalb kurzer Zeit belegen. Nach demselben Prinzip entstehen Feuerwehreinsatzpläne und Laufkarten nach DIN 14095 und DIN 14675 regelbasiert aus den Bestandsplänen — für ein größeres Objekt können das über hundert Einzelblätter sein, die bislang jedes für sich gezeichnet wurden.
Die betriebswirtschaftliche Folge ist ein anderes Honorarmodell. Wo üblicherweise nach Stunden oder Bausumme abgerechnet wird, nennt Bergwind für standardisierbare Verfahren einen Festpreis.
„Die fachliche Arbeit wird dadurch nicht weniger", sagt Geschäftsführer Daniel Lenzenhuber. „Was wegfällt, ist der manuelle Aufwand darum herum — Unterlagen zusammensuchen, Formulare befüllen, Daten übertragen. Die Zeit, die wir dabei gewinnen, steckt am Ende wieder im Entwurf."
Künstliche Intelligenz im Werkzeug, nicht in der Nachbearbeitung
Auch in der Planung selbst arbeitet das Büro mit KI-gestützten Verfahren — allerdings an einer ungewöhnlichen Stelle. Richard Frank, Dipl.-Ing. (FH) Bauwesen und Mitinhaber, entwickelt eigene Erweiterungen, die KI-Funktionen direkt in die eingesetzte Planungssoftware integrieren, etwa SketchUp und Blender. Renderings entstehen dadurch schneller, Entwurfsvarianten lassen sich früher durchspielen, und Planungsentscheidungen werden sichtbar, solange sie noch änderbar sind.
Der Unterschied liegt im Ort: Die Werkzeuge greifen dort, wo das Modell ohnehin liegt — im Programm des Planers, nicht in einem nachgelagerten Arbeitsschritt.
„Software kann Unterlagen vorbereiten, Daten zusammentragen und Varianten zeigen", sagt Lenzenhuber. „Sie kann nicht beurteilen, ob ein Vorhaben genehmigungsfähig ist — und sie haftet auch nicht dafür. Unterschrieben wird von einem Menschen mit Bauvorlageberechtigung."
Barrierefreiheit aus der eigenen Perspektive
Ein Bereich lässt sich nicht automatisieren, und dort liegt eine Besonderheit des Büros. Richard Frank arbeitete 28 Jahre im Tief- und Leitungsbau, als Bauleiter und Unternehmer, bis ein Unfall vor zwölf Jahren seine Arbeit veränderte. Er verlagerte sie in den digitalen Raum und begann, sich die Werkzeuge zu bauen, die es dort nicht gab. Seither nutzt er selbst den Rollstuhl.
Für die Planung heißt das: Barrierefreiheit ist im Büro keine Norm, die am Ende abgehakt wird, sondern eine Perspektive, die von Anfang an mitläuft. Im Neubau ist das vergleichsweise einfach — die Maße lassen sich von vornherein einplanen. Schwierig wird es im Bestand, wo Treppenhäuser, gewachsene Grundrisse und Denkmalauflagen den Spielraum begrenzen und Räume sich nicht beliebig verbreitern lassen. Wo eine Zuwegung tatsächlich befahrbar ist, welche Türbreite im Alltag trägt, wo ein Wendekreis auf dem Papier stimmt und in der Wirklichkeit nicht — das sind Fragen, die Frank aus eigener täglicher Erfahrung beantwortet, nicht aus dem Tabellenwerk der DIN 18040. Beim barrierefreien Umbau des Hotels Löwen in Nesselwang, bei dem zugleich eine ehemalige Gaststube zu Apartments umgenutzt wurde, floss diese Perspektive von der ersten Skizze an in die Planung ein.
„Man plant anders, wenn man den Weg selbst fährt", sagt Frank.
Bergwind wurde 2016 von Daniel Lenzenhuber als Marketing- und Designagentur mit Schwerpunkt 3D-Visualisierung gegründet. Aus der Zusammenarbeit mit Richard Frank entstand 2023 die heutige Gesellschaft, die Bauvorhaben aller Gebäudeklassen bearbeitet — vom Einfamilienhaus über gewerbliche Neubauten bis zur Sanierung denkmalgeschützter Substanz.
Seit 2025 gehört Waleed Ilyas zum Team, Architekt und eingetragen bei der Bayerischen Architektenkammer. Bergwind ist Mitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Sitz ist die Drehergasse 40 in Füssen.
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